Home Forumübersicht Login Registration F A Q Mitglieder Suchen Impressum


Suche





Login
Benutzername:

Passwort:

Speichern?




Statistik:
Beiträge: 2872
Mitglieder: 2466

Neuestes Mitglied:
urodesufa


Online:
24 Benutzer:
0 registrierte,
0 versteckte und
24 Gäste.


Der Rekord liegt
bei 240 Benutzern
am 29.10.2012, 11:16


Mitglieder online: Keine



Mikroskopie-Treff.de - Übersicht  -  Mikroskopie
Thema: Unendlich-Optik

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Ra_Engelmann



Anmeldung: 12.07.2001
Posts: 37
Wohnort: Magdeburg

BeitragVerfasst am: 19.07.2001, 08:34
   Titel: Unendlich-Optik

Antworten mit Zitat

Zur Ergänzung einer Diskussion im Mikroskopie-Forum.de, hier noch ein paar Anmerkungen zum Begriff unendlich-Optik.

Die Mikroskophersteller haben ein Geheimnis - es gibt nämlich weder 160mm- noch unendlich-Objektive. Es gibt nur Objektive. Diese haben eine Brennweite. Eigentlich jedes Objektiv kann so fokussiert werden, dass es nach 160mm oder unendlich projeziert. Die Frage ist nur, für welchen Fokussierzustand die Linsenfehler am besten korrigiert sind.

Wir wollen einmal ein hypothetisches Mikroskop mit unendlich-Optik bauen. Dazu nehmen wir zwei Fotoobjektive 50mm und setzen diese (auf unendlich fokussiert) mit den Frontlinsen zueinander. Jetzt haben wir ein Mikroskop mit Vergrösserung 1x, unendlich-Strahlraum zwischen den Objektiven und 5cm Arbeitsabstand zum Präparat. Das obere Objektiv (= Tubuslinse) entwirft in 5cm Abstand ein Zwischenbild, das per Film, Videochip oder Okular abgebildet werden kann.

Um ein Mikroskop mit Vergrösserung 2x zu erhalten, tauschen wir z.B. das untere Objektiv gegen ein Weitwinkel mit 25mm Brennweite aus. Der Arbeitsabstand beträgt jetzt nur noch 2,5cm.

Wenn wir die Objektive auseinanderziehen, ändert sich zunächst nichts, bis ab einer gewissen Distanz Vignettierungen und Randfehler auftreten. Dies liegt daran, dass die peripheren Präparatbereiche nicht axial sondern diagonal zum oberen Objektiv laufen, und zwar beim 25mm-Objektiv schräger als beim 50mm-Objektiv. Irgendwann kommen diese Strahlen nicht mehr im oberen Objektiv an, wenn wir den Abstand vergrössern.

In einem anderen Modell kombinieren wir zwei Objektive mit Brennweite 100mm. Erneut haben wir ein Mikroskop mit Vergrösserung 1x und unendlich Strahlraum. Der Arbeitsabstand ist aber grösser, und das Zwischenbild ist weiter entfernt. Zudem können wir die Objektive weiter voneinander entfernen, bevor Vignettierungen und Randfehler aufttreten.

Lange Brennweiten haben also Vorteile, aber auch einen Nachteil: um solche Objektive lichtstark und hochauflösend zu machen, benötigen wir grosse Linsen. Der Linsendurchmesser muss proportional zur Brennweite anwachsen, damit das Objektiv gleich Lichtstark bleibt. Während ein 50mm-Objektiv bei 25mm Öffnung die sog. Blende 2 besitzt, müssen es beim 100mm-Objektiv schon 50mm Öffnung sein. Die Objektive werden also immer dicker und teurer, und irgendwann passen sie nicht mehr an die mechanische Fassung. Auch die Anforderungen an Glasqualität und Vergütung steigen.

Dieser einfache Zusammenhand illustriert, warum Zeiss und Olympus mit 160mm und 180mm Bezugsbrennweite der Tubuslinse (= oberes Objektiv in unserem Beispiel) das gewohnte RMS-Gewinde besitzen, während Leitz, Nikon und Zeiss Jena mit 200mm bzw. 250mm das grössere M25 Gewinde benutzen. Nikon schafft es auch tatsächlich, mit der längeren Bezugsbrennweite durchweg längere Arbeitsabstände zu realisieren und mehr Zwischentuben zu erlauben. Zeiss und Olympus profitieren dagegen in einem anderen Bereich von der kürzeren Bezugsbrennweite: mit vergleichsweise weniger Glas sind die Objektive genauso lichtstark, was doch theoretische Vorteile in der Fluoreszenzmikroskopie bietet.

Allerdings kommt es letztendlich doch auf das konkrete Objektivdesign (Apertur, Glassorten etc.) an, es ist nicht pauschal vorherzusagen, welche Marke im Einzelfall die bessere Fluoreszenz oder die besseren Arbeitsabstände bietet. Die Tubusbrennweiten bedingen natürlich zum Teil, wo es die Optikrechner etwas einfacher haben bzw. wo sie sich besonders anstrengen müssen.

Es gibt natürlich noch mehr zu diesem Komplex zu sagen, dies soll als Grundlage aber erstmal genügen.


Ralf Engelmann

PS: ich bin für Korrekturen oder Ergänzungen immer dankbar! Es sind ja inzwischen einige Profis Mitglieder im Treff...

[ 19. Juli 2001: Beitrag editiert von: Ralf Engelmann ]


Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Alle Beiträge von Ra_Engelmann anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT - 1 Stunden
Seite 1 von 1

Gehe zu:  

Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum herunterladen

Besucher Online: 21   Heute: 27   Monat: 2692   Gesamt: 280119


Powered by phpBB © 2001- 2004 phpBB Group Designed for Trushkin.net | Styles Database Deutsche Übersetzung von phpBB.de